Jahresbericht 2020

Liebe Unterstützer*innen,

auch wir sind nun endlich ein gemeinnütziger und eingetragener Verein: Pferdeschutzhof Süthen e.V. Ich bin froh, dafür sehr engagierte Mitstreiter*innen gefunden zu haben, die ihr Wissen und ihre Fähigkei­ten mit einfließen lassen.

So haben wir in zwei Arbeitseinsätzen Wildblumensa­men, die mühsam gesammelt wurden, in die sowieso schon artenreichen Wiesen eingebracht, um sie noch bunter und insektenfreundlicher zu machen. Im Früh­jahr ist die nächste Wiese an der Reihe.

Dann werden auch alle wieder das frische, saftige Gras genießen. Leider muss ich es den Ponys gut zu­teilen, zu viel wäre nicht gut, sie könn­ten an Hufrehe erkranken. Ihr wisst sicherlich, dass Ponys ursprünglich aus nordischen Ländern kommen, wo sie mit dem kargen Futter gut klarkom­men. Ihr Stoffwechsel ist auf das ge­haltvolle Gras hier nicht eingestellt. Bei Eseln, die aus dem trockenen Süden stammen, ist es genauso. Des­halb lasse ich die Ponys und die Esel nur stundenweise auf die Wiese; an­sonsten leben sie in ihren Ausläufen und bekommen Heu und Stroh zu es­sen. Nur die älteren Ponys Valentino, Pauline und Maya dürfen länger auf der Wiese sein, da ihre Körper das Gras nicht mehr so gut verstoffwechseln und sie wegen fehlender Zähne lang­samer essen. Die Oldies mit wenigen Zähnen bekommen sowieso regel­mäßig Heucobbrei zugefüttert, weil sie nicht mehr richtig kauen können und sonst auf den saftigen Wiesen verhungern würden.

Wegen Covid-19 konnten wir leider länger nicht zum Trockenwerk (Her­steller von Heucobs) fahren, wo wir die Cobs sonst immer unverpackt und dadurch sehr günstig holen konnten, also mussten wir verpackte kaufen. Das spart zwar Arbeit, die Heucobs kosten dafür allerdings fast das Dop­pelte. Daher nochmal ein großes DANKE für eure Spenden.

Von einem Pony, Zilli, musste ich im letzten Jahr leider Abschied nehmen. Zilli hatte über den Winter mehrfach Fieberschübe und Entzündungen in den Hufen, niemand konnte ergrün­den warum bzw. sie dauerhaft stabi­lisieren. Der Verdacht, dass das eine Folge von Cushing sein könnte, kam auf. Ich fragte mich oft, ob Zilli noch Lebensfreude hatte. Dann kam sie zu mir, meistens, wenn ich die Mistharke in der Hand hatte, stupste mit der Nase dagegen und dann gegen meine Hand. Ich hatte verstanden. Sie liebte es, mit der Harke gekratzt zu werden. Ich kam dem natürlich sofort nach, und Zilli drückte sich dagegen und zog eine glückliche Genießerlippe. Sie liebte diese Massage und wieher­te mich oft an, wenn sie mich mit der Harke beim Misten sah, natürlich im­mer mit Erfolg.

Anfang Februar mochte Zilli nicht essen und wirkte sehr kraftlos. Sie hat­te Fieber und eine Herzklappe schloss nicht mehr, ihr Herz raste. Sie war am Ende ihrer Kräfte angekommen. Sie genoss aber trotzdem nochmal ihre Massage, dann stand sie plötzlich sehr wackelig da. Sie traute sich nicht mehr sich hinzulegen, weil sie das Gefühl hatte, dann nicht mehr aufstehen zu können. Ich streichelte sie und sagte ihr: OK, liebe Freundin, du bist frei und wenn du ge­hen willst, dann darfst du gehen und wenn du Hilfe haben möchtest, ich hole sie dir. Ich bedankte mich bei Zilli für die wunder­bare Zeit und für Alles, was sie mir gegeben hatte und gab ihr ein homöopathisches Mittel. Sie wen­dete sich ab und ich ließ sie einen Mo­ment allein. Als ich zurück kam, hatte sie sich gemütlich ins Stroh gelegt und war friedlich eingeschlafen.

Es tut so verdammt weh, wenn eine Freundin geht, aber es ist schön zu wissen, dass sie noch eine schöne und gute Zeit bei mir hatte und in Würde gehen konnte.

Im Februar konnte Felice bei der Hufpflege plötzlich die Hinterbeine nicht hoch halten. Sie verspannte den ganzen Rücken, fing an zu zittern und musste den angehobenen Huf abstellen. Wir brachen die Hufbearbeitung ab und eine Osteopathin löste die Rückenblockaden. Leider vermutet sie, dass Felice Arthrose im Rücken hat und empfahl zusätzlich ein Schmerz­mittel zur Hufhandlung zu geben. Die Be­hand­­lung hat Felice sehr gut getan, sie lief danach viel lockerer.

Anfang Mai entdeckte ich bei Michel einen Tumor unter dem Bauch. Zum Glück bekam er schnell einen OP-Termin. Alles hat super geklappt. Wie haben ihn vormittags in die Klinik gebracht (die Hängerfahrt fand Michel allerdings ganz schrecklich). Nachmittags wurde er operiert und abends konnten wir ihn wieder abholen. Oh, war Michel froh, wieder zuhause bei Malou und den Ponys zu sein.

Malou, die offensichtlich schlimme Erfahrungen bei der Hufbearbeitung gemacht hatte, mussten wir zum Hufeschneiden immer sedieren, weil sie aus Angst immer wild um sich getreten und gebissen hatte. Damals als sie kam waren ihre Hufe (und Michels auch) total faulig und an ihrem deformierten Huf hatte sie oft Abszesse, alles extrem schmerzhaft. Dank einer besonderen Entspannungstechnik hat sie nun gelernt, ihre Hufe vertrauensvoll zu geben und bearbeiten zu lassen. Dieses Vertrauen, was sie uns nach ihrer schlimmen Vergangenheit entgegenbringt, ist ein Riesengeschenk. Tolle Esel!!!

Rocko wuchs im Herbst schon sehr früh dickes Fell und es wurde wellig. Eine Blutuntersuchung bestä­tigte meine Befürchtung: Er hat Cushing, eine Stoff­wechselerkrankung. Nun braucht er lebenslang Me­dikamente, um seinen Stoffwechsel zu stabilisieren, und ich hoffe, es gelingt mit rein pflanzlichen Mitteln.

Hündin Karlotta, die unter einer Wirbelsäulen­erkrankung leidet, bekommt nun alle 2 Wochen eine Akupunkturbehandlung, die ihr sehr gut hilft und zusätzlich eine individuelle Kräuter­tinktur. Ihre Hin­terbeine sind wieder viel besser koordiniert. Sie läuft besser und rennt auch schon mal mit Speed los. Mitte Oktober hat sie eine Zahnsteinentfernung auch gut überstanden.

Auch für die Pferde gab es im Oktober die jährliche Zahnarztuntersuchung. Gerade ältere Pferde haben oft schmerzhafte Zahnkanten, die die Kaubewegung einschränken, Zahnfleisch und Zunge verletzen kön­nen. Sie werden mit elektrischen Geräten weg ge­schliffen. Bei Felice musste außerdem ein fauler Zahn gezogen werden.

Wegen der Afrikanischen Schweine­pest, die in Polen nahe der deutschen Grenze grassiert, gab es vom Veterinär­amt die Auflage, einen 1,50 m hohen Außenzaun mit Abstand zum Gehege von Eberhard und Ludwig zu ziehen. Dem kamen wir nach und ich habe dem Veterinäramt Rückmeldung gegeben. Allerdings wollten Ludwig und Eberhard sich auch persönlich mit folgendem Text bedanken:

„Wir, Ludwig und Eberhard, bedanken uns beim Veterinäramt, dass wir vor so gefährlichen Krankheiten wie der ASP geschützt werden. Allerdings müssen wir darauf hinweisen, dass es für die meisten Schweine leider eine viel grö­ßere Gefahr gibt: Die Schlachthöfe! Die Tötung dort ist die häufigste Todesur­sache bei Schweinen. Wir möchten das Amt auffordern, die Wiedereröffnung des Schlachthofes in Steine im Wend­land zu verhindern.

Schlachthöfe abschaffen - vegan leben!

Mit freundlichem Grunzen Ludwig und Eberhard"

Eine Rückmeldung in dieser Angele­genheit gab es vom Veterinäramt lei­der nicht.

Politisch neigt sich für das Wendland ein gutes Jahr dem Ende zu. Der marode Salzstock Gorleben ist nun aus dem Endlagersuchverfahren raus. Das Gewer­beaufsichtsamt Lüneburg hat die Betriebsgeneh­migung für den ehemaligen Schlachthof in Steine NICHT verlängert, juchhu!

Liebe Grü­ße und Danke noch einmal für die Unterstützung. Bleibt alle gesund und kommt gut über den Winter.

Mellie und die Vierbeiner